Lang anhaltender Applaus für RBB und das Pianisten-Duo

Wenn Blasmusik im Spiel ist, lassen sich Klavierklänge am besten solistisch vernehmen. So einfach hatten es sich aber Reinholds Brass Band (RBB) und ihr Leiter Raphael Thöne nicht gemacht. Der Dirigent und Musikwissenschaftler hatte beide Klangkörper räumlich zu

zusammengestellt und gleichfalls klanglich verbunden und dabei eine erfolgreiche Konzertbereicherung in der „Rhapsody in Blue” herbeigeführt. Im verbundenen Instrumentieren bekam das balladeske Stück seinen besonderen Klang. indem die beiden Klaviere einbezogen wurden. Dass sie in das Gesamtbild ihren spezifischen Klang einfließen ließen, der im Volumen der Blechbläser wie eine Verfeinerung wirkte. Dass dies hörbar werden konnte im Ensemble mit der Band, machte den Effekt und das Vergnügen an der Melodie aus.

Spritzig mit

pfeifenden Lippen

Eigens für dieses Konzert hatte Thöne das Arrangement für die Gershwinkomposition geschrieben. Um beide Klangkörper auch in ihrer eigenen Artikulation hervortreten zu lassen, band er ihre Intonation hintereinander gesteckt ein Aufgenommen wurden die zirpenden Trompeten von den modulierenden Klarinetten und Saxofonen und den dumpfen Posaunenklängen, wozu die Klaviere für Übergänge zum Verinnerlichen sorgten und dabei ein Eigenleben bekamen. Das nahm die Band gleichsam mit pfeifenden Lippen spritzig auf. Die Klaviermusik ließ sich träumend treiben bei lyrischen Fantasien. Dazu wechselten die Saxophone und Klarinetten ihre Sprache in den Pianoklang, den sie steigernd prägten.

Dieser Teil beeindruckte das Publikum sehr. Die Reinholds Brass Band hatte sich zu diesem Konzerteil ein Pianistenduo eingeladen. Die Geschwister Alexander und Ekaterina Kolodochka, die in Moskau und Köln studiert haben und auch schon mehrfach in der Essener Philharmonie aufgetreten sind, überzeugten durch ihr technisches Können und ihre pianistische Fähigkeit.

Mit scheinbar fließenden Händen und seidiger Tastenhandhabung brachten sie in der Duettdarbietung perlend und marschierend die Musik zu Gehör, die im versetzten Spiel ein scheinbares Volumen erhielt. Musik als Handwerkskunst konnte beobachtet werden, wenn die Griffe auf der Tastatur gleichsam die Klänge aufspießten und in wenigen Akten hochtrieben, als würden sie zur Ansicht gebracht. Die springenden Klänge schufen die rhythmischen Variationen.

Getragen und gestaltet wurde das Konzert vom Gastgeber Reinholds Brass Band, die ein abwechslungsreiches Programm zum Thema „Amerika“ eingeprobt hatten. Ausholend schwungvoll mit melodischen Zwischenphasen war das Musicalmedley, das seinen melancholisch beeinflussten Rhythmus selber fortblies. Aus „Vom Winde verweht“ setzte die Band melodramatisch und elegisch die Segel und behielt diese Stimmung trotz eingeschobener verändernder Impulse bruchlos bei. Mit der bekannten „West Side Story“ setzte die Band ihr Publikum in eine spannungsgeladene Gelassenheit, die ihren extensiven Charakter dadurch erhielt, dass sie sich genauso entlud wie in ausgeglichenem Swing einfach weitergeführt wurde.

Ganz nah heran an die hintereinander einträchtig trottenden Dickhäuter führte der „Baby Elephant Walk”, in dem sie ihre Bahnen und unter dem Träten der Saxophone in die Sympathie des Publikums zogen. Glamour brachten die Goldglitzerhütchen      der Posaunisten optisch ins Bild und klanglich die „76 Trombones”, die das Gesamtorchester

in vollem Toneinsatz zur Schallvorstellung brachte.

Wieder gaben die Trompeter der Band viel Schwung in den Klang ein. Mit und ohne Schalldämpfer lässig-frisch bestimmten sie . auch das Potpourri “Songs from the Staates”, in denen wechs6lnde Orchestergruppen Schwung. Marsch und Umtriebigkeit aus dem Lebensgefühl der Neuen Welt bestimmten. Der dreistufige Schlussakkord mit seinem schwirrenden Ende wurde bemerkenswert intoniert.

Unter lang anhaltendem Applaus und mit einer Zugabe verabschiedeten sich die klanglich ungleichen, aber im Konzert duettierenden Partner Band und Klaviere, in der sie noch einmal zeigten, wie sie im wechselseitigen untermalenden Zusammenspiel sich harmonisch verstärkten. „Noch nie hatten wir bei unserem Galakonzert in der Dampfe ein so großes Publikum“, hatte Moderator Thorsten Ostermann darunter auch den ehemaligen RBB Dirigenten Helmut Wiessler begrüßt. pn