Musikalische Gesellschaft Rheinberg hatte in der Stadthalle die Pianisten Alexander und Ekaterina Kolodochka zu Gast

VON CORNELIA KRSAK

Rheinberg Es fehlte nur das typische Rattern alter Filmprojektoren, um die Besucher in der Stadthalle in die frühe Zeit des Kinos zurückzuversetzen. Alexander und Ekaterina Kolodochka gelang mit der Klavierbegleitung von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1927) eine brillante Verschmelzung von Livemusik und bewegten Bildern, wie man sie auch zur Entstehungszeit des Films noch in den Lichtspielhäusern erleben konnte.

Erst zum zweiten Mal in Europa kam die neu rekonstruierte Huppertz-Fassung in der Bearbeitung für zwei Klaviere von Felix Treiber zur Aufführung. Die Pianisten saßen sich an den Flügeln gegenüber. Auf kleinen Monitoren konnte das Klavierduo den Film mitverfolgen, um zeitgleich die Szenen zu vertonen. Der Film kam als digitale Projektion ohne altertümliche Nebengeräusche aus, so dass die Zuschauer und Zuhörer Film und Musik ungetrübt genießen konnten.

Gleich zu Anfang wurde deutlich, worin die Kunst der Stummfilmvertonung besteht. Zwar spielt auch in modernen Filmen die Musik eine tragende Rolle, doch es werden daneben auch andere Geräusche aufgenommen, die das Geschehen auf der Leinwand lebendig erscheinen lassen. Beim Stummfilm ersetzt die Musik nicht nur die Stimmen der Schauspieler, deren Dialoge nur zum Teil als Texte eingeblendet werden, sondern auch alle anderen Töne, die aus den gezeigten Bildern erst eine Einheit werden lassen. Das Stampfen und Zischen der Maschinen in der Unterwelt von Metropolis wurde im Spiel des Klavierduos ebenso hörbar, wie das Pfeifen des Signals zum Schichtwechsel der Arbeiter oder im krassen Gegensatz dazu die verspielte Atmosphäre der reichen Sühne der Oberschicht in den „Ewigen Gärten“.

Hochdramatische Szenen wie die panische Flucht Marias vor dem wahnsinnigen Erfinder Rotwang in den Katakomben von Metropolis oder der finale Kampf gegen den todbringenden Moloch in weiblicher Gestalt der verführerischen Mensch-Maschine fanden ihre atmosphärischen Entsprechung in der Musik. Alexander und Ekaterina setzten den Klassiker der expressionistischen Filmkunst mit großem Engagement und viel Ausdruck in Szene.

Musik– und Filmfans kamen gleichermaßen auf ihre Kosten. Letztere auch durch viele verloren geglaubten Originalszenen des Films, der seit 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Mit der Neuaufführung ist der Musikalischen Gesellschaft wieder einmal ein spannendes Experiment gelungen.