Die Geschwister Ekaterina und Alexander Kolodochka sorgen als Klavier-Duo für besondere Hörerlebnisse. Klassik und Jazz finden in ihren Konzerten ganz selbstverständlich zusammen

Von Martina Schürmann

Gegensätze ziehen sich an, selbst im Konzertsaal. Wenn sich Ekaterina und Alexander Kolodochka an ihre Konzertflügel setzen, dann jeden­falls verschmelzen selbst Diszipli­nen, die manche an einem Konzert­abend immer noch für unvereinbar halten, zu einer unwiderstehlichen Einheit. „Classic meets Jazz” heißt ihr Programm, aber eigentlich ist es mehr als ein bloßer Titel, sondern Arbeitsthese. Die Geschwister Ko­lodochka, die Anfang 2000 der Mu­sik wegen aus Russland nach Deutschland kamen und in Essen erste Erfolge feierten, sind die jun­gen, hochmusikalischen Fürspre­cher eines erweiterten Klassikbegrif­fes. Unter ihren Händen gerät Gershwins „Cuban Overture” zu einem ebenso geschliffenen Kon­zertpreziose wie die Musik von Rachmaninow. Und auch der „Kar­neval der Tiere”, den die zwei am heutigen Samstag, 16 Uhr, in der Frohnhauser Apostel-Kirche beim Konzert der Generationenstiftung Essener Unternehmerverband spie­len, entspricht ganz ihrer musikali­schen Absicht: „Mit unserer Musik wollen wir eine größere Zielgruppe, auch ein junges Publikum gewin­nen”, sagt Ekaterina Kolodochka.

Vielleicht muss man so selbstver­ständlich mit der klassischen Mu­sik, mit Brahms, Chopin und Rach­maninow aufgewachsen sein wie die Kolodochkas, um keine Berüh­rungsängste vor dem vermeintlich Leichteren, auch vor den „Hits” des Klassikbetriebes zu haben. Ihre „Carmina Burana”-Fassung mit Schlagwerk wurde nicht nur in der Lichtburg gefeiert. Gerade arbeiten die Geschwister an einer neuen Kla­vierfassung für den Kinoklassiker von Fritz Langs „Metropolis”, mit dem sie in den nächsten Monaten unterwegs sein wollen. Auch in Es­sen gibt es Auftritts-Gespräche. Da trifft es sich gut, dass die 33­jährige Ekaterina und ihr 29-jähri­ger Bruder Alexander im Konzert und im Alltag ein eingespieltes Team bilden. Die beiden wohnen Tür an Tür in Düsseldorf und haben ihre Karriere ganz auf das Dasein als Klavier-Duo ausgerichtet, eines mit Bestnote im Abschluss, 1.0.

„Dass wir zusammen spielen kön­nen, ist unser großes Glück”, sagt Ekaterina. Vor allem andere Musi­ker, erzählt ihr Bruder, sähen dieses absolute Verständnis oft mit Bewun­derung. „Das Vertrauen, das bei uns einfach blind funktioniert, müssen sich andere schwer erarbeiten.” Für Bernd Meloch, seit Jahren so etwas wie Mentor und väterlicher Manager der beiden Musiker, ist dieses eingespielte Vertrauen auch ein Alleinstellungsmerkmal, das im Konzertbetrieb nicht alle Tage zu finden ist. Im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie erntete dieses Duo unlängst schon Stan­ding Ovations, die nächsten He­rausforderungen können kommen. „Unsere Richtung wird sich in den nächsten zehn Jahren nicht groß än­dern”, sagt Alexander. Über die Größe der Konzertsäle lassen die Kolodochkas jederzeit mit sich ver­handeln.

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