Das Klavier-Duo Alexander & Ekaterina Kolodochka brillierte im Chorforum mit „Classical Jazz”

Von Sven Thielmann

Schaut man sich in der Welt klassi­scher Musik um, dann gewinnt man den Eindruck, das Geschäft „für zwei Klaviere” befinde sich in Fami­lienbesitz. Und sei obendrein fest in weiblicher Hand, siehe Katja & Marielle Labeque oder Güher & Süher Pekinel. Nun, Alexander Kolodoch­ka ist eindeutig männlich, doch dem Geschwisterklischee kann auch sein Klavierduo mit der älteren Schwes­ter Ekaterina nicht entkommen. Of­fenbar scheint familiäre Bande eine Grundvoraussetzung zu sein, um an zwei Flügeln zu gemeinsamen Höchstleistungen zu finden.

Davon gab es jetzt in der ehemali­gen Kirche St. Engelbert, dem heuti­gen Chorforum Essen, reichlich zu erleben. Präsentierten Alexander & Ekaterina Kolodochka unter dem Titel „Classical Jazz” doch neben klassischen Hits auch einige fun­kelnde Überraschungen. Wie George Gershwins selten zu hörende „Cuban Overture”. In der Fassung für zwei Klaviere ein flirrendes Ver­gnügen typischer Gershwin-Versatz­stücke plus einer Prise „Achate Salsi­ta” (von Rumba-Star Ignacio) – kompositorisch kein Meister­werk, aber ein perfektes Showcase für das grandios aufeinander einge­spielte Duo mit russischen Wurzeln. Welch’ ein Kontrast nach dem hochvirtuosen Tastendonner dann ihre feinfühlige Interpretation von Sergei Rachmaninoffs „Fantasie Ta­bleaux (Suite Nr. 1), op. 5″, dessen romantischen Duktus die Kolodochka’s erfreulich unpathetisch heraus­arbeiteten. Was mit „La Valse” von Maurice Ravel als impressionisti­sches Schwelgen im 3/4-Takt eine überzeugende Fortsetzung fand. Ob sie sich einen Gefallen damit tun, Stücke des russischen Kompo­nisten Nikolai Girshevich Kapustin (* 1937) aufzuführen, bleibt nach seinem „Concerto for two pianos and percussion, op. 104″ fraglich. Was nicht an der tadellosen Präsentation zusammen mit den Percussio­nisten Michael Feil und Simon Bern­stein („duo percuplex”) lag. Doch was hilft die beste Interpretation, wenn das Spielmaterial nicht auf ver­gleichbarem Niveau ist?

Aberwitzige Klanggewalt

Betrachten wir Kapustin also als Aufwärmübung für den Höhepunkt des Abends, Gershwins famose „Rhapsody in Blue” in eigenem Ar­rangement, dem das Geschwister­paar mit aberwitziger Klanggewalt, aber auch schönem Gespür für die ruhigeren Momente – rhythmisch grandios assistiert vom „duo percu­plex” – hinreißende Farbpracht gab. Tosender Jubel des Publikums, das mit Leonard Bernsteins „Mambo” aus der „West Side Story” als Zugabe schwungvoll verabschiedet wurde.