Zum Auftakt der Sonntagskonzerte 2012 hatte der Kulturkreis Hösel zu einem Klavierabend an zwei Flügeln eingeladen. Die Geschwister Kolodochka musizierten mit Bravour – immer im Dienste der Musik. VON DOMINIKUS BURGHARDT HÖSEL Auf dem Programm standen Klassiker und Meilensteine der Kla­vierduo-Literatur, denen sich das russische Klavier-Duo Kolodochka mit den Geschwistern Ekaterina und Alexander annahm. Um es gleich vorweg zu nehmen; Das sympathische Duo berührte mit seinem gemeinsamen Musizieren und verstand sich bestens auf die ausgewählte Literatur, stammten doch alle Werke des Abends von Komponisten des 19. und 20. Jahr­hunderts, die alle auch hervorra­gende Pianisten waren. Zu Beginn erklang Chopins einzi­ge Komposition für Klavier-Duo, das Rondo C-Dur. Es entstand 1818 und ist ein Werk, das durchweg klassizistische Züge aufweist, durchzogen von unverwechselbar chopineskem Melos. Das Duo spielte das Opus fein aufeinander abgestimmt und gab damit eine erste Kostprobe seines punktge­nauen Zusammenspiels – beim Spiel an zwei Flügeln eine große Herausforderung, Dann wandten sich die Musiker Rachmaninows viersätziger Suite aus dem Jahr 1901 zu und ließen ihre Seelenverwandt­schaft zu dieser Musik spüren. Ins­besondere in den melancholischen Passagen fanden die Interpreten zu einem Ausdruck der teils monu­mentalen, teils unerbittlichen Klangsprache, die bildhafte Asso­ziationen weckte – etwa an die Wei­te und Einsamkeit Sibiriens. Vor der Pause kam dann eine der genialsten Kompositionen für zwei Klaviere zu Gehör: Die Paganini-Va­riationen des Polen Lutoslawski, entstanden während seiner deut­schen Gefangenschaft im Jahr 1941. Vorlage zu diesem Werk ist die 24. Caprice für Violine von Paganini. Allein schon das polytonal angeleg­te Thema, aber auch jede Variation ist ein kompositorischer Wurf. Und dem war sich das Duo bewusst. Mit Bravour meisterten die Geschwis­ter rasende Tremoli und aberwitzi­ge Tonkaskaden, aber immer im Dienste der Musik. Und das über­zeugte. Der zweite Teil des Programms wurde mit Maurice Ravels Poemen choréogaphique „La Valse” eröff­net, einer Apotheose des Wiener Walzers vor der Folie des Fin des siécle. Spätestens hier bekam der Abend den Charakter eines Neu­jahrskonzerts. Beherzt griffen die beiden in die Tasten und verström­ten Charme und Noblesse, blieben auch in den raffiniertesten Passa­gen souverän. Erfrischend und munter folgte Milhauds Parade­stück „Scaramouche” – entstanden während eines Brasilienaufenthalts 1936. Mit seiner unbekümmerten und genussvollen Interpretation ließ das Klavier-Duo die Abenteu­rer-Figur der Commedia dell’arte, auf die sich der Titel bezieht, vor dem inneren Auge lebendig wer­den. Als furioses Finale wählten die Geschwister Kolodochka die sym­phonischen Tänze zur „West Side Story”. Eine Suite mit Auszügen aus Bernsteins ‘Erfolgs-Musical. Kaum erklangen die erstenTöne, da hatte man schon den Eindruck, dass “Lenny” leibhaftig vor einem steht. Die ihm eigene, erdverbundene Na­tur spiegelte sich in jedem der Sät­ze. Angereichert mit Fingerschnip­pen, Klatschen und Rufen der Aus­führenden entlud sich die mitrei­ßende Musik, von der sich das Duo inspirieren ließ und zu Höchstform auflief. Begeisterter Applaus im voll be­setzten Oktogon des Oberschlesi­schen Landesmuseums  -  zwei Zu­gaben.